Es ist nicht leicht, einem so positiven Menschen wie Thomas Drotboom einen Tag komplett zu verhageln. Aber am Sonntag hat seine von ihm sonst zumeist gelobte Oberliga-Truppe dieses Kunststück vollbracht. Nach dem 1:3, bei dem die Hiesefelder mehr als eine Halbzeit lang in Überzahl agierten, ging er nicht wie gewohnt nach dem Spiel in die Kabine, um die Jungs abzuklatschen. „Da musste ich erst mal eine Weile für mich sein“, verriet der Teammanager.

Vor dem Spiel war das Gefühl dabei eigentlich gut gewesen. „Wenn wir das dürften und mich jemand gefragt hätte, dann hätte ich locker ein paar Euro auf die Jungs gesetzt. Das Training war gut, und in der Kabine hatten die Jungs sich vorgenommen, aggresssiv zu spielen und laut auf dem Platz zu sein. Aber das war schon mit dem Anpfiff wie weggeblasen“, zeigte sich Drotboom schon ein wenig schockiert. Große Chancen waren so zunächst Mangelware, und doch ging sein Team mit der ersten guten Möglichkeit in Führung – es gelang also das, was der TV Jahn sich seit Wochen wünscht. Nach einem langen Freistoß flog der Ball an Freund und Feind vorbei und landete letztlich beim völlig frei stehenden Kevin Corvers, der sich diese Gelegenheit nicht nehmen ließ.

Nun war die Phase des Spiels angebrochen, in der die Hiesfelder für einen anderen Ausgang hätten sorgen können, mit der größten Chance fraglos für Phillip Goris, der nach 31 Minuten aus bester Position den Torwart zwar umkurvte, dann aber an einem Abwehrbein hängen blieb. „Wir machen solche Dinger zurzeit einfach nicht. Aber es sollte sich später ja zeigen, dass das nicht das einzige Problem war“, erklärte Drotboom. Denn zwar kamen die Düsseldorfer durch einen Fernschuss von Taoufiq Naciri vor der Pause zum Ausgleich, doch wenige Minuten später dezimierten sie sich durch eine Rote Karte gegen Jacob Yussuf Ballah. Es war also klar, dass eine zweite Halbzeit in Überzahl anstand.

Um den Fehler der Vorwoche nicht noch einmal zuzulassen, nahm Drotboom in der Pause Ekin Yolasan, der bereits Gelb hatte, aus dem Spiel und brachte Zugang Joshua Kudu. „Den konnte ich dann nach 64 Minute wieder gegen Dalibor Gataric tauschen, weil ihm ebenfalls eine Ampelkarte drohte“, sagte der Teammanager. Da hatte das Schicksal seinen Lauf aber schon genommen. In Unterzahl schoss Tim Galleski das 2:1 für TuRU in der 55. Minute, und das durch einen Konter, bei dem elf Hiesfelder den Gastgebern beim Fußballspielen zusahen. Und das 3:1 aus der 73. Minute, der zweite Streich des Tages von Naciri, war beinahe eine Doublette des 2:1.

„Ich bin heute richtig enttäuscht von der Truppe. Wenn das alles war, was ich in einem solchen Spiel zu bieten habe, dann müssen sich hier einige meiner Spieler aber mal ganz deutlich hinterfragen“, stellt er klar, nahm dabei lediglich Kevin Menke und den ebenfalls neuen Kaba Alkebulan etwas aus der Kritik. Es wird unter der Woche also sicher viel gearbeitet, aber auch viel gesprochen werden müssen. Ob es nun unruhig wird im Umfeld des TV Jahn? „Also da habe ich mir ganz ehrlich noch gar keine Gedanken drüber gemacht. Meine Überlegungen beschäftigen sich vielmehr schon damit, was es nun für uns zu tun gilt“, stellt er klar. Das Wort „Abstiegskampf“ jedenfalls ist für Drotboom kein Tabu mehr – und das darf es mit dem Blick auf die Tabelle für den Drittletzten mit fünf Zählern aus acht Spielen auch nicht sein. Alles andere wäre Augenwischerei.

Quelle: fupa.net