Fußball: Der Hiesfelder Oberligist sieht sich nicht in der Lage die notwendigen Voraussetzungen für die vierthöchste Spielklasse zu schaffen. Jetzt gilt die ganze Konzentration dem Halbfinale im Pokal. Von Gerard Dombrowski

Um 15.29 Uhr am Mittwochnachmittag hat der TV Jahn Hiesfeld den Traum vom Aufstieg in die Regionalliga beendet. Nicht auf dem Fußballplatz, sondern per E-Mail. Vorsitzender Dietrich Hülsemann verschickte eine Erklärung, mit der der sportliche Ausgang der Saison für den derzeitigen Tabellenvierten der Oberliga letztlich zur Nebensache wird: „Der Vorstand der Fußballabteilung hat im Einvernehmen mit dem geschäftsführenden Vorstand des Gesamtvereins entschieden, keine Bewerbung für die Regionalliga West für die kommende Spielzeit einzureichen. Die Fußballabteilung sieht sich nicht in der Lage, die personellen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen.“

Bis Anfang April läuft eigentlich noch die Frist, um beim Westdeutschen Fußballverband die notwendigen Unterlagen für die Lizenz zur vierthöchsten Spielklasse einzureichen. Die Auflagen sind hoch, für die „Veilchen“ letztlich aber zu hoch: Im Hiesfelder Stadion hätten umfangreiche Umbauten zur Sicherheit umgesetzt werden müssen, es fehlen zudem sowohl das notwendige Flutlicht als auch logistische Strukturen.

„Ein Regionalliga-Aufstieg würde den Verein mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine finanzielle Drucksituation bringen“, heißt es in der Pressemitteilung. „Dieses Risiko wird die Fußballabteilung nicht eingehen.“ Daher zogen die Verantwortlichen schon jetzt die Notbremse und sorgten für Klarheit.

Dietrich Hülsemann konkretisiert allein den personellen Aufwand: „Wir bräuchten 60 Leute, um einen Spieltag zu organisieren“, rechnet der Präsident vor. „Dabei haben wir jetzt schon in der Oberliga Probleme, um regelmäßig genügend Helfer für den Würstchen- und Getränkeverkauf zusammen zu bekommen, für den Eingang haben wir einen Kassierer. Das ist eine Klasse höher noch im Vergleich ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Trainer Thomas Drotboom schmerzt der Verzicht auf die Lizenz einerseits, andererseits äußert er Verständnis: „Selbst Baumberg macht sich als Spitzenreiter ja Gedanken, wie man den Aufstieg stemmen könnte“, meint er. „Ich glaube, solche Vereine wie Hiesfeld oder die werden das nie hinbekommen, dafür sind sie einfach zu klein.“ Er hofft, dass die Spannung im Team nicht zu sehr abfällt: „Ich möchte nicht auf Platz sechs oder sieben durchgereicht werden.“

Wie sich die Entscheidung auf den sportlichen Saisonverlauf auswirkt, will Hülsemann nicht spekulieren. „Die Spieler haben alle Verträge und bekommen Siegprämien“, sagt der Rechtsanwalt, der selbst einen beträchtlichen Teil zum Etat als Sponsor beiträgt. Kurzfristig soll nun der Fokus auf dem Niederrheinpokal-Halbfinale am 21. März beim Regionalligisten Rot-Weiß Essen liegen. Auf Dauer strebt der Verein an, dass sich die Mannschaft weiter in der Oberliga etabliert. „Wir haben zuletzt immer vernünftig in der Liga mitgespielt, darauf sollten wir uns konzentrieren“, so der Vereinschef.

Ob das gelingt, hängt aber auch in der fünften Spielklasse entscheidend von der finanziellen Situation ab. Wie die aussieht, ist derzeit aber nicht geklärt, ein Erfolg im Pokal wäre daher nicht nur sportlich wichtig, vielleicht sogar überlebensnotwendig. „Wir werden die Ausgaben dem Etat anpassen müssen“, blickt Dietrich Hülsemann voraus. „Ich bin selbst Vorsitzender auf Abruf, werde nur noch ein Jahr an der Spitze weitermachen. Und dann kann es nicht mehr sein, dass ich derjenige bin, der eine Unterdeckung ausgleicht.“ Vor dem Hintergrund kommen auf jetzige und mögliche künftige Spieler schwierige Verhandlungen zu. Ob mit Regionalliga-Lizenz oder ohne.

Quelle: RP