Fußball-Oberligist TV Jahn Hiesfeld darf im Halbfinale bei RW Essen gut eine Stunde lang auf eine Überraschung hoffen. Dann bedeutet ein Doppelschlag des Favoriten den Anfang vom Ende. Die „Veilchen“ verloren schließlich mit 0:5.Von Philipp Stroetmann und Gerard Dombrowski

Fast vier Jahre ist es her, dass Kapitän Kevin Corvers die Oberliga-Fußballer des TV Jahn Hiesfeld im Duisburger Stadion vor mehr als 24.000 Zuschauern aufs Spielfeld führte. Am 15. Mai 2014 trafen die „Veilchen“ im Finale um den Niederrheinpokal auf den damaligen Drittligisten MSV – trotz der 2:5-Niederlage ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Es bleibt vorerst ein einmaliges Erlebnis, nicht nur für Corvers, der nach einer langwierigen Verletzung noch an seinem Comeback arbeitet. Denn zumindest in diesem Jahr findet das Endspiel im Verbandspokal ohne Hiesfelder Beteiligung statt. Im Halbfinale verlor der TV Jahn am Mittwochabend beim Regionalligisten Rot-Weiß Essen mit 0:5 (0:0).

Aus Sicherheitsgründen hatten beide Vereine sich im Vorfeld darauf verständigt, an der Hafenstraße zu spielen. Zuschauermassen lockte die Begegnung allerdings nicht an: 2675 Fans wollten das Duell sehen, davon rund 200 Hiesfelder Anhänger im Gästeblock, die sich nach Kräften bemerkbar machten. Das für die Essener enttäuschende Interesse lag wohl auch an den jüngsten Vorstellungen von RWE, das in der Meisterschaft zuletzt wenig überzeugend agiert hatte. „Lösungen finden, Spiele gewinnen“, hieß es entsprechend auf einem Banner vor der Fankurve.

Dagegen hatte der TV Jahn natürlich etwas einzuwenden. Trainer Thomas Drotboom bot für den angeschlagenen Danijel Gataric diesmal Nico Klaß im defensiven Mittelfeld auf. Wer dachte, die Gastgeber würden den klassentieferen Gegner von Beginn an überrennen, sah sich getäuscht: Hiesfeld präsentierte sich mutig und versuchte, munter nach vorne zu spielen. Zwingende Gelegenheiten blieben zunächst aus, die ersten Annäherungsversuche ans gegnerische Tor setzten Gino Mastrolonardo (9.) und Nico Klaß (13.) vorbei.

Erst nach etwa einer Viertelstunde fand RWE mal Lücken in der Jahn-Verteidigungslinie. In der 25. Minute wehrte Keeper Kevin Hillebrand bei einem schnell vorgetragenen Angriff einen Schuss von Kai Pröger mit dem Fuß zur Ecke ab. Auf der anderen Seite konnte Kevin Menke im Anschluss an eine Flanke von Damiano Schirru den Ball mit dem Kopf nicht kontrollieren – die beste Chance der Gäste war dahin. In den Mittelpunkt rückte jedoch immer mehr Hillebrand. Einmal prüfte Kevin Kolberg sogar seinen eigenen Keeper (39.). Ein Kopfball von Marcel Platzek kurz vor der Pause verfehlte das Hiesfelder Tor.

An Ballbesitz und optischer Überlegenheit der Essener änderte sich auch in Hälfte zwei wenig. Glück hatten die „Veilchen“, dass Pröger die erste gute Chance nach dem Wechsel vergab (52.). Zehn Minuten später musste Hillebrand aber hinter sich greifen: Eine kurz ausgeführte Ecke führte über einen kleinen Umweg in die Mitte, wo Jan-Steffen Meier den Ball freistehend zum 1:0 in den linken Torwinkel schoss.

Ein Treffer, der Wirkung zeigte. Denn keine drei Minuten später jubelte RWE erneut. Diesmal wurde ein Eckstoß von der anderen Seite per Kopf verlängert, am hinteren Pfosten musste Dennis Malura nur noch einschieben (65.).

Von dem Doppelschlag erholte sich Thomas Drotbooms Team nicht mehr. Schirru scheiterte noch einmal an RWE-Torwart Marcel Lenz (75.), ansonsten kamen die Hiesfelder zu keinen weiteren nennenswerten Angriffen. Stattdessen schraubten Kamil Bednarski (80., 90.) und Kai Pröger (82.) die Niederlage noch höher – am Ende ein wenig zu hoch. Grämen muss sich der TV Jahn nach einer starken Pokalsaison dennoch nicht. Auch wenn der Finaleinzug ein Traum blieb.

Quelle: RP