Der Ex-Trainer des Hiesfelder Fußball-Oberligisten kehrt mit DSC 99 Düsseldorf an seine alte Wirkungsstätte zurück. Von Gerard Dombrowski

Die Szene sagt viel darüber aus, wie Jörg Vollack mit dem ganz normalen Wahnsinn im Leben eines Fußball-Trainers umgeht. Engagiert, aber dabei so entspannt wie möglich. Es war an einem Abend im Februar 2015, Vollack saß in der Lobby eines Hotels in der Türkei, ließ in gemütlicher Runde den Tag im Trainingslager des Oberligisten TV Jahn Hiesfeld ausklingen und kündigte irgendwann gut gelaunt für den nächsten Morgen einen Termin für die mitgereisten Journalisten an. Er werde zum hoteleigenen Friseur gehen, sich gründlich das Gesicht einschäumen und von Harald Plank das Rasiermesser an den Hals halten lassen: „Dann hat die Presse mal ein vernünftiges Bild, wenn ich in Hiesfeld rasiert werde.“ Etwas mehr als ein Dreivierteljahr später war er zwar nicht im klassischen Sinne „rasiert“, aber weder Manager noch Coach bei den „Veilchen“ weiter im Amt – Plank hatte sich zurückgezogen und den Geldhahn zugedreht, Vollack nahm frustriert über die Entwicklung in Hiesfeld zur Winterpause 2015/16 seinen Hut. Am Sonntag kehrt der mittlerweile 52-Jährige zum ersten Mal als Übungsleiter einer neuen Mannschaft mit dem DSC 99 Düsseldorf an die Dorfstraße zurück. Um 15.30 Uhr wird die Oberliga-Partie auf dem Kunstrasen beim TV Jahn angepfiffen.

Fast exakt zwei Jahre sind vergangen, seit sich Vollack von seiner damaligen Mannschaft bei Pizza und Bier verabschiedete. Der Blick zurück ist nicht von Ärger oder gar Wut geprägt, der Trainer freut sich auf das Treffen: „Im Nachhinein war die Zeit ja schön“, resümiert er seine zweieinhalbjährige Arbeit beim TV Jahn am Rotbach. Und sie war erfolgreich, gekrönt vom bisher größten Coup der Vereinsgeschichte, dem Einzug ins Niederrheinpokalfinale im Mai 2014 gegen den MSV Duisburg.

Sein Nachfolger wurde Thomas Drotboom, der Vollack zuvor ein halbes Jahr als Co-Trainer assistiert hatte. Zu ihm hat der ehemalige „Chef“ nach wie vor ein freundschaftliches Verhältnis, ebenso wie zu seinem langjährigen sportlichen Gefährten und Torwart-Trainer Uwe Roscher, der nach wie vor die Hiesfelder Keeper fit macht. Dass das Team unter Drotboom, Markus Kay und Roscher seinerzeit eine sensationelle Rückrunde hinlegte und am Ende die Winter-Tristesse im Tabellenkeller mit einem dritten Platz zum Abschluss hinter Aufsteiger Wuppertaler SV und dem KFC Uerdingen vergessen ließ, bringt Vollack keinesfalls ins Grübeln, ob er doch hätte bleiben sollen: „Wenn mein Kenntnisstand damals der gleiche gewesen wäre wie heute, würde ich wieder so entscheiden.“

Viele Spieler, die damals unter seinen Fittichen trainierten und noch heute das „Veilchen“-Trikot tragen, werden sich wie er auf das Treffen am Sonntag freuen, ist der DSC-Coach sicher. Nach dem Spiel werde bestimmt auch noch Zeit sein, mit dem einen oder anderen auf die noch gar nicht so alten Zeiten anzustoßen: „Dafür brauchen wir keine extra Verabredung.“

Erst einmal wird aber Fußball gespielt. Und dabei sind die Rollen zumindest nach dem Tabellenbild klar verteilt: Ein Team aus der Spitzengruppe trifft auf den Letzten, seit Vollacks Übernahme in Düsseldorf nach drei verlorenen Spielen zu Saisonbeginn sammelte der Aufsteiger fünf Punkte, der Abstand zum rettenden Platz 14 beträgt bereits neun Zähler. Gelassener sei er geworden, sagt der Coach, das Umfeld beim Derendorfer Club habe auch keine übertriebenen Erwartungen. „Wer Eins und Eins zusammenzählen kann, weiß, wie es ist. Und alle sind sich im Klaren: Wenn’s am Ende nicht klappt mit dem Klassenerhalt, dann klappt’s halt nicht und wir müssen neu aufbauen.“

„Die Hiesfelder spielen in ihrer Besetzung in einer anderen Liga als wir“, meint Jörg Vollack, „wenn wir hundert Prozent abgreifen, heißt das noch nicht, dass wir entscheidenden Einfluss auf das Spiel haben. Wie das ausgeht, bestimmt der TV Jahn.“

Quelle: RP