Fußball: Hiesfelds Trainer Thomas Drotboom muss bei sieben Abgängen neun Neuzugänge in die Mannschaft integrieren. Von Gerard Dombrowski

Dinslaken-Hiesfeld Den ersten gelungenen Kontertreffer setzte schon vor dem Anpfiff einer, der gar nicht auf dem Spielfeld stand. Der derzeit verletzte Spielführer des Fußball-Oberligisten TV Jahn Hiesfeld stand am Sonntag bei Tim Perkovic am Mikrofon, um einen Ausblick auf die neue Saison zu wagen, und der Moderator erlaubte sich einen kleinen Scherz: Ob denn angesichts des Kapitänsduos Corvers/Menke der Vorname Kevin Voraussetzung sei, dieses Amt in Hiesfeld zu bekommen? „Ich glaube, der Name ist Voraussetzung, um beim TV Jahn zu spielen“, sagte Corvers und grinste.

In der Mannschaft ist kein Kevin allein Zuhaus, eine Hand voll Männer horcht auf, wenn Trainer Thomas Drotboom nach Kevin ruft. Von hinten, wo Hillebrand im Tor steht, über die Abwehr mit Corvers und Kolberg über Krystofiak im Mittelfeld bis nach vorne zu Menke im Angriff.

Aber nicht nur bei diesem Quintett besteht im Spieljahr 2017/18 bei den „Veilchen“ wegen desselben Vornamens akute Verwechslungsgefahr. Im 24 Kicker umfassenden Kader stehen Zwillinge: Danijel und Dalibor Gataric, 31 Jahre jung, der erste zehn Minuten älter als sein Bruder. Beide agieren im Mittelfeld, der eine defensiv im Spielaufbau, der andere offensiv. Vom westfälischen Oberligisten Hammer SpVg kamen sie an den Rotbach, sie sind zwei von insgesamt neun Neuen. Die Abwehrspieler Niklas Jahny und Robin Riebling sowie Mittelfeldakteur Kevin Krystofiak verpflichtete der TV Jahn von Rot-Weiß Oberhausens ehemaliger U 23, die zum Ende der vergangenen Saison aufgelöst wurde. Keeper Joel Drepper und Verteidiger Lennart Laader entstammen der U 19 des MSV Duisburg. Marvin Weßelburg kehrte vom SV Zweckel zurück nach Hiesfeld, während der erst 18-jährige Marcel Welscher in der vergangenen Saison beim Bezirksligisten SC Frintrop auf sich aufmerksam machte.

Angesichts des Ersatzes für die sieben Abgänge mit Dominik Langenberg, Raffael Schütz, Benjamin Jacobs, Maik Goralski, Faysel Khmiri, Jan Pirschel und Maurice Baßfeld gibt sich der Käpt’n zuversichtlich. „Die Neuen waren vom ersten Tag an integriert“, berichtete Kevin Corvers. Er geht als Innenverteidiger nach dem sechsten Platz der vergangenen Saison in die Offensive: „Wir haben einige junge Spieler dazu bekommen, die sich verbessern wollen und werden. Und da wir uns verstärkt haben, ein Jahr älter geworden sind und den Großteil der Mannschaft gehalten haben, wollen wir uns im Vergleich zum Vorjahr verbessern. Also mindestens auf Platz fünf.“

Worte, die der Coach gerne hören wird. Thomas Drotboom nimmt sich vor, den selbst ernannten Favoriten 1. FC Bocholt „schwer zu ärgern“, und „schön wäre, alle Heimspiele zu gewinnen“. An Selbstbewusstsein mangelt es nach der starken Rückrunde 2016/17 nicht, die Motivation fällt dem Coach leicht: „Als Trainer kann man nur von so einer Mannschaft schwärmen.“

Auf eine Entwicklung seines Teams kann der 50-Jährige dabei bauen. Mit Ioannis Alexiou den Gataric-Zwillingen und Damiano Schirru sind ganze vier Spieler älter als 30 Jahre, der Durchschnitt des Kaders beträgt gerade mal 24,5 Jahre. Drei Wochen vor dem Anpfiff der Meisterschaft fehlen noch einige Akteure urlaubsbedingt oder weil sie noch Blessuren auskurieren müssen. Langsam kristallisieren sich aber schon wichtige Eckpunkte für die Spielzeit heraus. Taktisch favorisiert Drotboom ein 4-4-2- oder 4-2-3-1-System, die Ausrichtung kann von Spiel zu Spiel variieren. Jetzt muss er nur noch seine Startelf finden.

Vorausgesetzt, das Team bleibt von Verletzungen und sonstigen Ausfällen verschont, sind die hochgesteckten Ziele jedoch erreichbar, findet auch das oberste Vereinsmitglied: „Wir wollen um die Spitze der Oberliga mitspielen“, sagte Präsident Dietrich Hülsemann während der Mannschaftsvorstellung am Sonntag, „alles andere wäre enttäuschend“.

Quelle: RP