Es war kein leichter Nachmittag für Hiesfelds Trainer Thomas Drotboom. „Ich glaube, das kann der Schiri auch jetzt schon abpfeifen“, sagte er zehn Minuten vor dem Ende, und wer die 80 Minuten bis dahin gesehen hatte, mochte ihm so recht nicht wiedersprechen. Doch der Trainer, der ansonsten immer positiv denkt, hat diese Maxime seiner Mannschaft offenbar inzwischen so eingeimpft, dass diese trotz des 1:3 beim TSV Meerbusch und einer wenig berauschenden Leistung noch an sich glaubte. Und das sollte sich auszahlen.

Fünf Minuten waren regulär noch zu spielen, als Damiano Schirru von den Meerbuschern im Strafraum gefoult wurde. Eine Gelegenheit, die sich Kevin Menke, der bis dahin aus verschiedensten Gründen kaum im Spiel war, nicht nehmen ließ. Was dann passierte, war schier unglaublich. Denn kaum 20 Sekunden nach dem Wiederanpfiff stand es 3:3, weil die Hiesfelder sofort den Ball der nun verunsichert wirkenden Meerbuscher attackierten, in Ballbesitz kamen, Kei Hirose den Ball auf Kevin Corvers weiterspielte. Der setzte dann Joel Zwikirsch in Szene, der mit einer tollen Einzelleistung das 3:3 erzielte. Die Bank des TV Jahn machte geschlossen einen Luftsprung.

Turbulent blieb es danach bis in die Nachspielzeit. Der wie Hirose eingewechselte Maurice Baßfeld hatte noch eine ganz dicke Chance, den Hiesfeldern sogar einen dreifachen Punktgewinn zu bescheren, auf der Gegenseite hatte Daniel Hoff nach einem Freistoß der Meerbuscher die noch größere Möglichkeit, als der Ball sogar die Latte streifte. Zuvor hatte Raphael Schütz Glück gehabt, nach einem Foulspiel Gelb und nicht Rot gesehen zu haben. Erst danach pfiff der Schiedsrichter eine am Ende dramatische Partie ab.

Schütz war nicht nur an der letzten, sondern auch an der ersten heißen Szene des Spiels beteligt gewesen. Denn die Hiesfelder waren früh in Führung gegangen, nachdem Damiano Schirru den Ball nach einem Freistoß zunächst an den Pfosten gesetzt hatte, und Schütz dann mit dem Kopf zur Stelle war (12.). „Dann haben wir ein wirklich schlechtes Spiel gemacht. Unsere Zentrale mit Gino Mastrolonardo und Jan Pirschel hat heute überhaupt nicht funktioniert“, erklärte Thomas Drotboom nach dem Spiel, der keinen Hehl daraus machte, dass der Punktgewinn glücklich war. „Schon in der Pause hatte ich mit Jan Pirschel gesprochen. Da sagte er mir, dass er keine Probleme hatte, aber irgendwie nicht klar komme.“ Nach der Führung dauerte es nur sechs Minuten, bis Sergen Sezen nach einer Ecke von der Strafraumgrenze das 1:1 erzielte. Nicht zuletzt eine Folge des Umstandes, dass die Hiesfelder viel zu viele Ecken zuließen. Selbst viele grundlegende Dinge wollten einfach nicht funktionieren. Das 2:1 war dann nach einer halben Stunde ein direkt verwandelter Freistoß von David Klinger. Alexander Gbür, der den noch nicht ganz wieder einsatzfähigen Kevin Hillebrand noch einmal vertrat, hätte diesen Ball vielleicht nicht halten müssen, aber zumindest halten können. Der Stammkeeper kam in der Zweitvertretung zum Einsatz, soll in der kommenden Woche wieder dabei sein.

Als die Gastgeber dann nach einer Stunde einen Strafstoß zum 3:1 verwandelten, schien das Spiel entschieden, bis dann diese irre Schlussphase kam. „Das 4:3 wäre für uns auch nun wirklich des Guten zu viel gewesen. Für die Moral ist das so natürlich wertvoll, aber es gibt natürlich schon Dinge, über die wir sprechen und an denen wir arbeiten müssen“, sagte Dortboom nach dem Abpfiff im Mittelkreis des Sportplatzes in Lank. „Das war nicht das Spiel, das uns vor einem Jahr in der Rückrunde stark gemacht hat.“ Immerhin scheint das Team absolut intakt zu sein. Ein Eindruck, den die Meerbuscher nach dem Abpfiff so nicht unbedingt machten, als es untereinander doch etwas deftiger zuging.

QUELLE:FUPA.NET